Station B

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Ways to the Waves

temporäre bildnerische Installation und Performance von Martina Feichtinger

Feichtinger bespielt die Betonwelle, indem sie mit Lehmfüssen darüber schreitet, bis sie sich einfärbt und den Weg über die Grenze hervorhebt. Der alte Grenzübergang in die Schweiz gedenkt der Flüchtlinge während der NS Zeit, die hier den Schritt in die Freiheit setzten.

 

“Denn nur dem der den Mut hat den Weg zu gehen, offenbart sich der Weg.” Paulo Coehlo

Ways to the waves

Vögel zwitschern, Blätter drängen sich mit Ästen, Wurzeln umklammern Steine, als hielten sie abstürzende Bergsteiger fest. Grün verzehrt die Aussicht, Insekten konkurrieren in Schönheit und Hässlichkeit, die Luft vibriert, alles ist voller Leben. Doch gleichzeitig ist es ruhig, so, als gäbe es keine Menschen.

Es ist ein Ort, den sich die Natur zurückgeholt hat. Mit rankenden Vorhängen und einem Scheinwerfer-gleichen Licht, dass sich durch das Blattwerk schneidet und so in aller Schärfe auf uns fällt, fühlt man sich in ein Theater versetzt.

Wir befinden uns am Rohr, die Natur machte es zur Bühne. Für die Menschen war es ein Ort der Angst, der Hoffnung, ein Ort furchtbaren Leids. Für einige war es der Ausweg aus der Tyrannei Nazi-Deutschlands, der letzte Weg ihrer Verfolgung zu entkommen.

Martina Feichtinger führt uns nun zu diesem Mahnmal, sie öffnet den Saal, sie betritt die Bühne. In der einen Hand trägt sie einen Krug, gefüllt mit roter Erde, mit Wasser zu einer Farbe vermischt. In der anderen hält sie einen Pinsel. Sie taucht ihn in das Gemisch und streicht sich langsam, ganz vorsichtig, ihre Fußsohlen ein. Sie führt den Pinsel so, als male sie ein Porträt, darauf bedacht, jedes Detail einzufangen. Sie bewegt sich vorwärts, ihre Fußabdrücke bleiben, Schritt für Schritt, als rote Zeichnungen zurück. Jeder von ihnen ist anders, die einen sind dick und dunkel, es gibt die schmächtigen, die blassen, die großen, die kleinen, andere wünscht man sich an der Wohnzimmerwand, oder zumindest als Foto auf dem Handy. Immer wieder bemalt Martina ihre Füße, vor uns, eine Schlange aus Individuen, die unaufhaltsam der Schweiz entgegen schreitet.

Während ich dem Rhythmus der Schritte folge, den Weg der roten Erde beobachte, vom bloßen Matsch im Krug, zur Farbe auf dem Pinsel, von der Zeichnung zur Figur, und das in einer verlässlichen Wiederkehr, dann fühle ich mich zufrieden, ganz bei mir, glücklich. Doch dann holt mich die Erinnerung an die Vergangenheit ein, viel mehr erkenne ich sie auf einmal in der Arbeit von Martina Feichtinger. Und das ist es, was mich am meisten beeindruckt: Sie gibt mir ein Gefühl, sie nimmt es wieder und lässt mich verunsichert zurück. Was könnte so einen Ort besser beschreiben.

Lorenz Helfer

Herzlichen Dank an die Stationspatin:

Herzlichen Dank an die Sponsor*innen

Kostüm:

Requisite: Keramik Werkstatt Schädler AG